Staatskanzlei in Schwerin

Bei der Staatskanzlei, auch unter Regierungsgebäude I und Kollegiengebäude bekannt, handelt es sich um den ersten Neubau am Alten Garten. Er wurde zwischen 1825 und 1834 unter der Leitung des Hofbaurates G. A. Demmler im klassizistischen Stil errichtet. Früher befand sich an derselben Stelle ein Franziskanerkloster, welches im Jahr 1236 erstmalig erwähnt und dessen Kirche im Zuge der Reformation 1557 schließlich abgerissen wurde.

Im Jahr 1833 zog in die Räumlichkeiten der heutigen Staatskanzlei zunächst das Großherzogliche Archiv ein, im Dezember 1834 fand die Einweihung des Gebäudes durch den Großherzog Friedrich Franz I. statt. Hervorzuheben war hierbei nicht nur die Schönheit des Bauwerks, sondern auch einige technische Neuheiten, wie zum Beispiel eine zentrale Warmluftheizung. Bis heute wurden an der Staatskanzlei mehrere Umbaumaßnahmen vorgenommen, unter anderem nach einem Großbrand im Jahr 1865, der das Gebäude komplett zerstörte. Seine letzte große Instandsetzung fand zwischen 1990 und 2001 statt, danach erstrahlte das Bauwerk wie in alten Zeiten. Von 2006 bis 2007 erfolgte des Weiteren die Renovierung der Haupteingangstreppe.

Als besonders imposant an der Staatskanzlei gelten die Giebelkrönungen von Emil Cauer dem Älteren, auf denen antike Götter zu sehen sind. Auf der Seite zur Schlossstraße befindet sich Zeus zwischen Demeter und Athene und auf der Rückseite des Gebäudes Hermes und Poseidon. Als Attraktion ist auch das reichhaltig gestaltete Treppenhaus im Foyer bekannt. Hierbei handelt es sich um eine Konstruktion aus Gusseisen, die Stufen bestehen des Weiteren aus Marmor und das Geländer aus Schlagmetall. Sehr sehenswert ist ebenfalls der frühere Kabinettsaal im ersten Stockwerk. Dieser besteht aus Wandbekleidungen aus Stuckmarmor, einer großzügig gestalteten Decke sowie einem sehr hübschen Parkettfußboden. Im zweiten Obergeschoss befindet sich ein Kollegiensaal, in dem eine Galerie des Künstlers Friedrich Jentzen untergebracht ist. Hierbei handelt es sich um Werke, die die Amtshäuser des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin darstellen.

Im Laufe seiner Geschichte waren in dem Gebäude unterschiedliche Amtsträger untergebracht. Bei seiner Erbauung diente es bis 1918 als Sitz der Monarchie, danach zogen in die Räumlichkeiten bis zur Machtergreifung Hitlers die Behörden des Mecklenburgischen Staatsministeriums. Während der Nazi-Diktatur diente die heutige Staatskanzlei als Sitz des Reichsstatthalters der NSDAP für den Gau Mecklenburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Sitz der Landesregierung Mecklenburgs, von 1952 bis 1989 tagte in dem Gebäude die SED-Bezirksleitung Schwerin. Seit Oktober 1990 ist die Staatskanzlei der Amtssitz des Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern.

Giebelhäuser am Marktplatz in Schwerin Schwerin Staatstheater in Schwerin
Staatskanzlei

Landkarte

Foto: Staatskanzlei
Kategorien: Historische Bauwerke

Lage: Schwerin, Deutschland